2012
Jena

Anspruchsvolle Geometrie erfordert Abdichtung aus Flüssigkunststoff - Zeiss-Planetarium Jena

Das dienstälteste Großplanetarium der Welt ist das Zeiss- Planetarium im thüringischen Jena. Ein imposanter Bau mit bewusst fragiler Kuppelkonstruktion – so lässt sich das 1926 errichtete Bauwerk treffend beschreiben. Starke Beschädigungen durch jahrelange Umwelteinflüsse machten eine Sanierung der berühmten grünen Kuppel notwendig, bei der die ganze Grazilität der Konstruktion deutlich wurde: Sie stellte eine Herausforderung für die Planer dar und machte besondere Maßnahmen erforderlich.

Die Erhaltung, Schutz und Wiederherstellung wesentlicher Gestaltungsmerkmale aus den 1920er Jahren war ein zentrales Ziel der Sanierung. Um Beschädigungen und Rissbildung der feinen Tragkonstruktion zu vermeiden, mussten sämtliche Arbeiten erschütterungsfrei durchgeführt werden. Eine mechanische Befestigung der neuen Dämm- und Abdichtungsschicht im Baukörper war wirtschaftlich nicht umsetzbar. Eine weitere Herausforderung war die Durchführung der Arbeiten bei laufendem Betrieb.

Altabdichtung
Ein Rückbau der Primärabdichtung bestehend aus Korkdämmung und Teerbahnen sowie der daran befestigten Aluscharen aus den 1960ern war anhand der fehlenden Lagesicherheit des Gesamtpakets notwendig. Hier galt es die entsprechenden arbeitsschutzrechtlichen Vorschriften einzuhalten, sodass die Ausführung des Rückbaus unter erschwerten Bedingungen ausgeführt werden musste.

Sikalastic Flüssigkunststoffsystemem
Beim Neuaufbau der insgesamt 1.100 m² großen Fläche kam eine weltweit bisher einmalige Abdichtungsvariante zum Einsatz: Als Dämmung wurde 60 mm starkes Schaumglas des Typs Foamglas® T4 mit dem Systemkleber PC 56 vollflächig direkt auf die Betonschale aufgeklebt. Die Stöße wurden ebenfalls verklebt. Anschließend wurde das Sikalastic Flüssigkunststoffsystem als Dachabdichtung appliziert – unmittelbar auf die Foamglasdämmung. Der Vorteil dieses Flüssigkunststoffes ist, dass komplizierte Dachformen sowie schwierig auszuführende Anschlüsse einfach, schnell und nahtlos abgedichtet
werden können. Außerdem geht der einkomponentige Polyurethan Flüssigkunststoff einen direkten Verbund mit der Dämmung ein, wobei sich das Material frei an die Kuppelform anpasst. Dies ist mit einer textilen Vlieseinlage nicht zu realisieren, ohne die komplett nahtlose Optik der Kuppelform zu beeinträchtigen – laut Planung war jedoch genau dies eine wichtige Vorgabe. Die hier verwendete Glasvlieseinlage ermöglicht daher eine glatte Oberfläche ohne sichtbare Vliesüberlappungen. Ein weiterer Vorteil im Vergleich zu anderen Flüssigkunststoffen ist die kurze Trocknungszeit. Diese war wichtig, um die weiteren dekorativen Schichten zeitnah aufzubringen. Zur Wiederherstellung der ursprünglichen Kuppeloptik kam ein Sonderfarbton der oberen Schicht der Flüssigabdichtung und eine Spezialfarbe des Schiefersplittes zum Einsatz.

Bautafel

OBJEKT
Zeiss-Planetarium Jena

BAUHERR
Ernst-Abbe-Stiftung, Jena

ARCHITEKT
Schreiter & Schlag, Jena

AUSFÜHRUNG
Dächer von Christoph Gruß GmbH, Gumperda

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